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8 Stellschrauben für die KI – Rückblick auf das KI-BarCamp in Heilbronn

30.05.2025
©Quelle: RPT, Yves Loris

Vom 23.-26.05.2025 fand auf dem Bildungscampus in Heilbronn das von Realizing Progress und dem VIR (Verband Internet Reisevertrieb e. V.) organisierte BarCamp KI im Tourismus statt. Teilnehmende von Destinationen, Verbänden, Hotels, Leistungsträgern, Beratungsunternehmen, Start-Ups, Agenturen, Veranstaltern, Studien- und Forschungseinrichtungen sowie aus dem Reisevertrieb des ganzen deutschsprachigen Raums trafen sich, um sich über das Thema Künstliche Intelligenz (KI) auszutauschen – mit all seinen Handlungsfeldern wie Kommunikation, Projektmanagement, Content-Erstellung, Marketing, Vertrieb, HR, Service, Produkt, Organisation oder Changemanagement. Aus Rheinland-Pfalz waren die DigitalmanagerInnen von Pfalz (Julia Bergold) und Rheinhessen (Silas Landeck) sowie der Leiter des Bereichs Online Marketing und Datenmanagement der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH (Yves Loris) dabei.

„KI ist ein Disruptor…

…mehr noch als die Entdeckung von Feuer, Elektrizität oder sonst etwas, was wir bisher gemacht haben“ (frei nach Sundar Pichai, CEO Google LLC). Die technischen Lösungen sind da und funktionieren; die Weiterentwicklung geht rasend schnell, es poppen nahezu wöchentlich neue Möglichkeiten auf. „Sprechen wir heute noch von Chatbots, Reasoners und Agenten, die uns unterstützen, werden wir in spätestens 10 Jahren von Innovatoren (KI, die Produkte entwickeln und Innovationen erfinden kann) und Organisationen (KI, die Prozesse optimieren und Unternehmen strategisch führen können) sprechen, die selbständig entscheiden und agieren“ (Prof. Dr. Stephan Bingemer, Hochschule Heilbronn).

Podiumsdiskussion auf dem BarCamp Ki im Tourismus am 23.06.2025 in Heilbronn©Quelle: RPT. Yves Loris

Dieses hohe Tempo trifft auf die sich eher langsam veränderbaren Verwaltungs- und Organisationsstrukturen des öffentlichen Tourismus.

Was können wir tun, um nicht abgehängt zu werden? Welche Stellschrauben haben wir als touristische Stakeholder überhaupt?

Hier sind acht Vorschläge:

1. Haltung

Die Entwicklung geht rasend schnell und das Thema KI wird auch nicht mehr weggehen. Wir können und müssen als Touristiker mit der Techindustrie mithalten, aber wir dürfen nicht zusehen, sondern mitmachen und gestalten! Es gilt, sich der Risiken und Fallstricke bewusst zu sein, aber die Chancen angstfrei und nach ethischen Grundsätzen zu nutzen. Dazu braucht es Fachkompetenz und einen gemeinsamen ethischen Konsens mit klaren Richtlinien, aber auch Lust und Mut zur Veränderung sowie Vertrauen in Technologien und Experten – kurz, das passende Mindset.

2. Strukturen und Prozesse überdenken

Manchmal tut es in der Hektik gut, tief durchzuatmen und einen Schritt zurückzutreten. KI kann uns in unterschiedlichen Aufgabenbereichen und Einsatzgebieten unterstützen, sei es bei der Büroorganisation, beim Datenmanagement, bei der Konzept- und Produktentwicklung oder der Gästeansprache (Hyperpersonalisierung). Das erfordert, dass wir uns statt mit KI-Tools zunächst mit unseren Aufgaben, Strukturen und Prozessen befassen, diese überdenken und neu aufbauen. Was sind unsere Kernaufgaben? Wofür tragen wir die Verantwortung? Wie teilen wir die Aufgaben sinnvoll auf? Wie organisieren wir uns in funktionalen Einheiten? Welche Prozesse können wir an die KI abgeben? Welche nicht? Ziel dabei ist nicht, Personal abzubauen oder Mehraufwand zu betreiben, sondern effizienter zu werden – die KI als Mitarbeitender und Kollege.

3. Strukturierte, offene Daten in höchster Qualität als Voraussetzung

Wer Daten hat, hat Macht – das gilt auch bei der KI. Daten sind im Tourismus vor allem Content- und Nutzerdaten. Die Plattform-Economy lebt von den Nutzerdaten (Big Data) und wir Touristiker kennen unsere Infrastrukturen und Angebote am besten. Diese gilt es, im Sinne eines digitalen Zwillings, möglichst niedrigschwellig (Open Data) in einem strukturierten Format bereitzustellen, welches von Maschinen und KI erkannt, interpretiert und verarbeitet werden kann. Schon heute zeichnet sich ab, dass das Suchen und Finden sich von Suchmaschinen auf ChatBots und Sprachassistenten verlagert – hier braucht es “KI-SEO”. Dabei ist die Datenqualität von zentraler Bedeutung (relevant für den Nutzer, aktuell, vollständig und korrekt), denn selbst die beste KI ist nur so gut, wie die Daten, mit denen sie trainiert wurde: Bullshit in = Bullshit out.

4. Gemeinsame Systemarchitektur

Die gemeinsame Nutzung einer landesweit einheitlichen System- und Datenarchitektur bietet allen touristischen Akteuren einen immensen Vorteil: Durch die Zusammenarbeit von Betrieben, Anbietern, Orten, Regionen und der Landestourismusorganisation (RPT) entstehen Synergieeffekte und das Rad muss nicht vielfach neu erfunden werden. Die Herausforderungen werden zentral gelöst und Lösungen in die Fläche gebracht, das spart Zeit und Geld. In Rheinland-Pfalz haben wir mit dem Digitalen Wissensschatz Rheinland-Pfalz dafür hervorragende Voraussetzungen!

Da die bedeutendsten und bekanntesten KI-Unternehmen heute aus den USA oder China kommen, entstehen hier Abhängigkeiten, die vor allem in Krisenzeiten zu Unbehagen führen. Spannend ist hier die Idee der europäischen KI-Plattform one.intelligence von neusta destination.one, die von den Geschäftsführern Stefan Huber und Adi Hadzimuratovic in Heilbronn vorgestellt wurde: Damit lassen sich KI-Lösungen mit unterschiedlichen Large-Language-Modellen (LLMs) datenschutzkonform auf europäischen Servern aufsetzen, ohne dass die Daten in die USA oder nach China transferiert werden, selbst wenn eigene Datenquellen angebunden sind. Externe Anbieter können sich beteiligen, indem sie Promptvorlagen, Tools und Agenten dafür bereitstellen. Eine sehr interessante Idee, die viele Chancen birgt, wenn sich viele Technologieanbieter und KI-Entwickler daran beteiligen.

5. Innovations- und Fehlerkultur

Der Umgang mit KI erfordert für die rechtlichen Rahmenbedingungen (EU AI-Act) und Fallstricke (Datenschutz, Urheberrechte, sensible Daten) sensibilisierte und geschulte Mitarbeitende mit dem entsprechenden Mindset.  Wer Dinge ausprobiert, der wird auch Fehler machen – aus diesen lernen wir und entwickeln uns weiter. Dazu ist es wichtig, die Maßnahmen transparent zu überwachen und mit entsprechenden Erfolgskriterien (KPIs) zu dokumentieren. Digitale Projekte (z. B. ein Website-Relaunch) lassen sich als Vehikel nutzen, um die nötigen Voraussetzungen zu schaffen und KI-Tools zu implementieren. Die KI hält heute schon Einzug in alle Bereiche unseres privaten und beruflichen Lebens, oftmals sogar unbewusst: Skeptiker werden zu Fans, wenn der Nutzen für sie deutlich erlebbar ist.

6. Kompetenzen auf- und ausbauen 

KI arbeitet an der Schnittstelle zwischen Informationstechnologie (IT) und Tourismus. Damit sind Touristiker oftmals überfordert. Mitarbeitende müssen geschult sein und eine innovations- und technologiefreundliche Grundhaltung mitbringen; das erfordert, dass Teams mit neuen Kompetenzen aufgebaut werden, z. B. durch Weiterbildung. Wir sollten aber auch darüber nachdenken, welche Fähigkeiten neue Mitarbeitende mitbringen sollten. Häufig stehen hier in Stellenausschreibungen noch touristische Kenntnisse im Fokus, obwohl für das Aufgabengebiet eher Fachinformatiker, Datenexperten oder Promptentwickler geeignet wären. Das bietet allen touristischen Organisationen die Möglichkeit, sich als Berater, Serviceanbieter und Ermöglicher (Enabler) zu profilieren – zum Wohle unserer Gäste.

Die RPT bietet hier mit der preisgekrönten E-Learning-Plattform TNWissen RLP, den digitalen Infosessions oder diversen Schulungsangeboten bereits hochwertige Weiterbildungsangebote zu digitalen Themen und KI an. Auch die IHK, der DEHOGA sowie das BVZ Koblenz oder die Kommunalakademie schreiten hier voran.

7. Kommunikation  

KI hat viele Fans, aber auch viele Skeptiker. Mitarbeitende und Partner wollen keinen Mehraufwand, sondern mehr Effizienz. Je offensichtlicher und bequemer der Nutzen erlebbar ist, desto größer die Akzeptanz – wir kennen das von den KIs und Algorithmen großer Online-Shops oder Musik-Streaming-Plattformen. Es lohnt sich also, über den Tellerrand auf Good-Practice-Beispiele zu schauen und daraus abzuleiten, was davon umsetzbar ist, adaptiert auf die eigenen Rahmenbedingungen. Die Vorteile dieser Lösungen müssen verständlich in der Sprache der Stakeholder kommuniziert werden. KI kann die Effizienz steigern, wer Budget dafür braucht, sollte die Rechnung auflegen – Mitarbeiter-Stunden vs. KI-Kosten.

8. Politische Rahmenbedingungen

Auch wenn touristische Entscheidungstragende den Nutzen von KI und die Notwendigkeit eines Change-Prozesses bereits erkannt haben, fällt die Umstrukturierung oftmals schwer. Tourismus ist in Rheinland-Pfalz noch immer eine freiwillige Leistung, sodass in Zeiten knapper Kassen gerne mal der Rotstift angesetzt wird. Die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus wird meist unterschätzt und die für Budgets verantwortlichen Entscheidungsträger der politischen Ebene sind auch meist keine Technologie-Experten. Hier braucht es Vertrauen in die touristischen Experten und einen klaren politischen Auftrag, den Wandel aktiv mitzugestalten. Das erfordert auch, die notwendigen Rahmenbedingungen (z. B. Budgets, Personal, Förderkulissen) schaffen. Und auch hier gilt: ein klar kommunizierter Nutzen für Bevölkerung, Gäste und Politik öffnet Türen.

Geballte Digitalisierungskompentenz aus Rheinland-Pfalz in Heilbronn©Quelle: RPT, Yves Loris

Wo seht ihr noch mögliche Stellschrauben für die KI-Nutzung im Tourismus? Wir freuen uns auf euer Feedback!

 

 



Autor: Autor/-in: Yves Loris
Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH · Leiter Online-Marketing & Datenmanagement
loris@rlp-tourismus.de · Telefon: +49 (0)261/91520-32

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