
Familiär, regional verwurzelt und traditionsbewusst – so präsentiert sich das Gastgewerbe laut einer für das diesjährige Sparkassen-Tourismusbarometer in Rheinland-Pfalz durchgeführten Befragung. Die genannten Eigenschaften machen die Branche zu einem wichtigen Identitätsfaktor für das Land, stellen sie aber gleichzeitig vor die Frage: Wie zukunftsfähig sind die Betriebe, und welche Schritte sind notwendig, um die Branche nachhaltig zu stärken?
Um dieser Frage nachzugehen, wurden 102 gastgewerbliche Betriebe in Rheinland-Pfalz befragt – von Hotels über Pensionen bis hin zu reinen Gastronomiebetrieben. Ergänzt wurde die Analyse durch Fachgespräche mit Stakeholderinnen und Stakeholdern aus der Tourismuswirtschaft.
Die Untersuchung liefert spannende Erkenntnisse:
Ein Blick auf die aktuelle Lage
Der Status quo zeigt: Im Jahr 2023 gab es 11.056 steuerpflichtige gastgewerbliche Betriebe in Rheinland-Pfalz – ein Rückgang von fast 14 Prozent gegenüber 2019. Besonders betroffen ist die Hotellerie. Zwar konnte zuletzt ein leichter Zuwachs von etwa 2 Prozent verzeichnet werden, das Vorkrisenniveau ist jedoch noch nicht erreicht. Laut der Befragung empfanden rund 42 Prozent der teilnehmenden Betriebe die Beherbergung in Rheinland-Pfalz grundsätzlich als nicht ausreichend. Die Wahrnehmung der Versorgungslage ist regional jedoch unterschiedlich. Während die Beherbergungskapazitäten in den Regionen Mosel-Saar und Pfalz nach Meinung der Befragten ausreichen, zeigen sich in Rheinhessen und in der Eifel geteilte Ansichten. Im Mittelrheintal hingegen werden die Kapazitäten als unzureichend bewertet.
Auch die gastronomische Versorgung gilt vielerorts als unzureichend: Rund drei Viertel der Befragten sehen Nachholbedarf – insbesondere entlang touristisch relevanter Routen. Laut der Business Target Group entfielen im Jahr 2024 63 Prozent der Gastronomiebetriebe in Rheinland-Pfalz auf das Segment „Small Food, Fast Food und Drink“ – darunter Gaststätten, Eiscafés oder Imbisse. Klassische Restaurants machen mit 37 Prozent etwa ein Drittel des Angebots aus. Ein Blick auf das Verhältnis von Bevölkerung und Betrieben zeigt: In Rheinland-Pfalz kommen rund zwei Gastronomiebetriebe auf 1.000 Personen. Damit liegt Rheinland-Pfalz im bundesweiten Vergleich auf Rang sieben in Bezug auf die Gastronomiedichte pro Kopf. Trotz eines Rückgangs der Betriebszahlen um rund 15 Prozent gegenüber 2019 erzielte die Gastronomie in Rheinland-Pfalz 2023 einen neuen Höchstwert: Der durchschnittliche Umsatz pro Betrieb lag bei fast 360.000 Euro. Dieses Niveau unterstreicht die wirtschaftliche Bedeutung des Sektors in Rheinland-Pfalz – insbesondere mit Blick auf die Profilthemen Wein und Kulinarik – auch unter veränderten Rahmenbedingungen.
Gäste begeistern und die Erwartungshaltung übererfüllen, dann kommen sie gerne wieder
Qualität spielt stets eine Schlüsselrolle: Sie entscheidet über Gästezufriedenheit, Wiederholungsbesuche und Weiterempfehlungen. Positive Online-Bewertungen und persönliche Empfehlungen sind mit die wichtigsten Faktoren für Buchungsentscheidungen. Betriebe, die auf hohe Servicequalität, authentische Erlebnisse und verlässliche Angebote setzen, können ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern und neue Zielgruppen ansprechen. Rheinland-Pfalz überzeugt mit einer Vielzahl hochwertiger touristischer Angebote im Gastgewerbe. Die Region profiliert sich zunehmend als genussorientierte Destination, in der Qualität, Authentizität und Regionalität eine zentrale Rolle spielen. Stand Februar 2025 zählte Rheinland-Pfalz 195 ServiceQualität-Betriebe und liegt damit deutschlandweit auf dem zweiten Platz.
Trotz positiver Entwicklungen im Bereich Qualität zeigen Rückmeldungen aus Befragungen und Fachgesprächen, dass in Teilen des rheinland-pfälzischen Gastgewerbes strukturelle Optimierungspotenziale bestehen. Ein häufig genannter Kritikpunkt betrifft den bestehenden Modernisierungs- und Renovierungsstau in vielen Betrieben. Zwar erfüllen viele ältere Beherbergungsbetriebe formale Standards, entsprechen jedoch nicht mehr den Erwartungen der Gäste. Insbesondere im Beherbergungssegment mangelt es laut Fachgesprächen weniger an grundsätzlichen Angeboten als vielmehr an Anpassungen an neue Gästebedürfnisse und Trends.
Nachhaltigkeit und Digitalisierung – Die großen Transformationstreiber und ihre Potenziale für Hotellerie und Gastronomie
Um die Qualität aufrecht zu erhalten und langfristig erfolgreich zu bleiben, müssen Betriebe sich kontinuierlich an neue Rahmenbedingungen anpassen. Nachhaltigkeit und Digitalisierung sind dabei keine kurzfristigen Trends mehr, sondern zentrale Aufgaben moderner Unternehmensführung. Richtig eingesetzt eröffnen sie spürbare Vorteile für Gäste und Betriebe. Der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen sowie der gezielte Einsatz digitaler Technologien schaffen wertvolle Synergien: Sie helfen, Prozesse zu optimieren, Kosten zu senken, Gästeerwartungen besser zu erfüllen und neue Zielgruppen zu erschließen.
Traditions- und familiengeprägte Betriebe im Gastgewerbe Rheinland-Pfalz, deren Ziel es ist, den Betrieb generationenübergreifend weiterzuführen, legen bei ihrer Unternehmensentwicklung großen Wert auf nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg. Mehr als die Hälfte der Befragten beschäftigt sich inzwischen aktiv mit Nachhaltigkeit – wenn auch in unterschiedlicher Intensität. Viele Betriebe gehen dabei im sozialen Bereich vorbildlich vor: übertarifliche Löhne, Zuschüsse zu Mobilität oder Kinderbetreuung und flexible Arbeitszeitmodelle sind keine Seltenheit.
Die Richtung ist klar: Investitionen in ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit sichern die Zukunftsfähigkeit der Betriebe. Dennoch ist Nachhaltigkeit noch nicht flächendeckend verankert. Ein Hindernis ist das Image des Begriffs: Oft wird er als abgedroschen, vage oder mit Verzicht verbunden wahrgenommen. Deshalb setzen einige Betriebe bewusst auf verständlichere Begriffe wie „regional“, „authentisch“ oder „respektvoll“. Besonders der regionale Bezug hat eine hohe emotionale Wirkung auf Gäste – etwa durch regionale, vegane oder biologisch erzeugte Speisen. So gelingt ein einfacher Einstieg in das komplexe Thema Nachhaltigkeit, ohne dass es belehrend wirkt.
Nutzen der Digitalisierung noch nicht überall angekommen
Trotz vielfältiger Fortschritte in der Branche ist auch der Nutzen der Digitalisierung für die Zukunftsfähigkeit im Gastgewerbe noch nicht überall durchgedrungen. Zwar sind die meisten Betriebe grundsätzlich davon überzeugt, dass Digitalisierung eine wichtige Rolle für die Wettbewerbsfähigkeit spielt, doch bewerten über 39 Prozent sie lediglich als mittelwichtig und rund ein Viertel ist der Überzeugung, dass die Digitalisierung fast keine oder gar keine Rolle spielt. Dabei sind die Erwartungen der Gäste klar: Bereits 2022 zeigten laut Statista rund 71 Prozent der Deutschen großes Interesse an digitalen Angeboten in der Gastronomie – insbesondere an Online-Tischreservierungen und digitalen Speisekarten, die von einigen als Standard erwartet werden.
Strategische Investitionsplanung
Steigende Kosten, fehlende Rücklagen und erschwerte Kreditvergabe bremsen viele Betriebe aus. Rund 43 Prozent der Betriebe berichten von einem leichten Investitionsstau. Aber auch Betriebe mit begrenzten finanziellen Mitteln können durch stufenweise Investitionspläne langfristig erfolgreich bleiben. 62 Prozent der befragten gastgewerblichen Betriebe in Rheinland-Pfalz sprechen von lohnenden Investitionen in die Digitalisierung. Neben einer modernen Infrastruktur sollten Betriebe aber auch in die Qualifikation, Motivation und Bindung ihrer Mitarbeitenden investieren. Denn die Team- und Gästezufriedenheit sind eng miteinander verknüpft. Entscheidend ist, frühzeitig über die eigene Ausrichtung nachzudenken.
Die Zukunft des rheinland-pfälzischen Gastgewerbes liegt in der gezielten Verbindung von Tradition und Innovation. Betriebe, die Qualität, Nachhaltigkeit und Digitalisierung miteinander verknüpfen, schaffen die Grundlage für langfristigen Erfolg. Modernisierung und Anpassung an neue Gästebedürfnisse sind ebenso entscheidend wie strategische Investitionen in Infrastruktur, Mitarbeitende und Serviceprozesse. Wer frühzeitig auf digitale Lösungen setzt, nachhaltig wirtschaftet und den Generationenwechsel aktiv gestaltet, stärkt nicht nur die eigene Wettbewerbsfähigkeit, sondern leistet auch einen wertvollen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der Branche.
Der Tourismus lebt von einer intakten Natur, weshalb auch gastgewerbliche Betriebe eine besondere Verantwortung tragen. Empfehlungen für ein zukunftsfähiges Gastgewerbe umfassen darüber hinaus mutige und konsequente Positionierung sowie zielgerichtete Investitionsplanung, wobei Freiräume geschaffen werden sollten, um mehr Zeit für die Unternehmensentwicklung zu gewinnen. Zudem gilt es, in Mitarbeitende zu investieren, Gästeerwartungen zu übererfüllen, nachhaltig und ganzheitlich zu handeln, Betriebsabläufe zu optimieren, smarte Technologien einzusetzen und rechtzeitig an Nachfolge sowie kontinuierliche Investitionen zu denken.