
Unter der Überschrift „Die Seele der Stadt“ beschäftigte sich der diesjährige Trierer Tourismustag am Dienstag mit der Frage, was eine lebendige und authentische Stadtatmosphäre ausmacht, welchen Transformationsprozessen Städte seit den vergangenen Jahren unterworfen sind und welche Strategien Trier entwickeln muss, um diesen Veränderungen zukunftsweisend zu begegnen.
Rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Kultur und Tourismus waren hierfür auf Einladung der Industrie- und Handelskammer (IHK) sowie der Trier Tourismus und Marketing GmbH (TTM) ins Nells Park Hotel gekommen, um nicht nur Impulsvorträge ausgewiesener Experten zu hören, sondern ihre Wünsche und Visionen selbst in vier verschiedenen Stationengesprächen einzubringen. Übereinstimmend wurden dabei die Bereiche Sauberkeit, Sicherheit und Erlebnisorientierung der Innenstadt als wichtigste Handlungsfelder festgehalten.
Wer von den Menschen lebt, muss sich mit ihnen verändern. So könnte das Fazit lauten, das über dem 3. Trierer Tourismustag stand. Kundenerwartungen und Kundenverhalten haben sich – beschleunigt durch die Covid-19-Pandemie – unumkehrbar gewandet. Das hielt Michael Metzler, Geschäftsführer der Esslinger Stadtmarketing und Tourismus GmbH, direkt zu Beginn seines Vortrages fest. 2021 hatte er für die Stadt Esslingen dank eines innovativen Konzeptes zur Innenstadtentwicklung den Stadtmarketingpreis Baden-Württemberg in der Kategorie der Städte über 50.000 Einwohner gewonnen. Inhalte dieses Konzeptes waren, in Kooperation mit Verwaltung, Politik und zahlreichen Esslinger Betrieben und Selbstständigen, unter anderen der Business-Wettbewerb Start-Up Esslingen oder der Gründerverein Makers League, in dem sich junge Gründer*innen vernetzen und, unterstützt von Sachleistungen, ihren eigenen Laden in der Esslinger Fußgängerzone eröffnen können. Flankiert wurden diese Strategien von einem ganzheitlichen Konzept, das beispielsweise durch einen „Stadtstrand“, Lichtinstallationen, der Verschlankung der Sondernutzungsregelung oder neuen Eventformaten die Innenstadt als „Erlebniszentrum der Emotionen“ zu prägen versucht. „Der Einzelhandel ist immer noch Frequenzbringer Nummer 1 für die Innenstadt. Aber er verliert. Insbesondere die jüngeren Zielgruppen möchten auch konsumfreie Angebote, Treffpunkte, grüne Oasen, Veranstaltungen“, hielt Metzler fest. „Wir müssen überlegen, wie wir zusätzliche Besuchsanlässe jenseits des reinen Einkaufens schaffen, von denen dann auch der Handel profitiert. Transformation heißt: Blick nach vorne, nicht zurück. Unsere Innenstädte verändern sich, ob wir wollen oder nicht. Es geht nicht um das Ob, sondern um das Wie.“
Innenstädte als Marktplätze des gesellschaftlichen Lebens
Dieser Einschätzung stimmte auch Prof. Dr. Andreas Krüger, Professor für Projektentwicklung und Projektmanagement in der Stadtplanung an der HafenCity Universität Hamburg, zu. Anhand zahlreicher Studien zeigte er auf, dass der Einzelhandel als Besuchsanlass der Innenstadt sinke und damit verbunden auch die Umsätze und Flächennachfrage des Einzelhandels. In jeder Stadt gebe es unterschiedliche Voraussetzungen: Beispielsweise habe der Leerstand nur in den kaufkraftstarken Großstädten zu einer Absenkung der Mieten geführt. Je länger jedoch eine Mietkorrektur auf sich warten lasse, desto eher seien Trading-Down-Effekte zu befürchten. Innenstädte müssten daher verstärkt zu Marktplätzen des gesellschaftlichen Lebens werden. „Die Innenstadt sollte ein Ort werden oder bleiben, wo man sich trifft, wo etwas los ist, wo es wirklich Neues, Interessantes gibt, wo ich immer wieder hingehe, weil ich Anderes sehen und erleben kann. Das muss nicht immer ein Riesenevent sein, aber die Kernidee ist es, die Innenstadt vom ökonomischen zum sozialen und kulturellen Mittelpunkt zu transformieren.“
Aufwertungen der Trierer Innenstadt
Untersuchungen sowohl in Großstädten, als auch in Ober- und Mittelzentren hätten hierbei gezeigt, dass die Menschen die Aufenthaltsqualität einer Stadt vor allem nach gastronomischen Angeboten, individuellem Einzelhandel, Sauberkeit und der Kopplungsmöglichkeit mit Arbeit, Bildung, Sport oder sozialem Austausch bewerteten. Hier sei Trier bereits auf einem guten Weg, hielten TTM-Geschäftsführer Yannick Jaeckert und TTM-Marketingmitarbeiterin Lisa Forens bei ihrer Präsentation zum aktuellen Stand des Tourismuskonzeptes fest. Die Sanierung des Moselradweges, die Aufwertung der Start-/Ziel-Situation am Eifelsteig, das Aufstellen von Ruhe-Inseln in der Stadt und die kurz- wie mittelfristige Aufwertung des Bahnhofsvorplatzes sowie des Römerbrückenkopfes in Trier-West werde die Aufenthaltsqualität zweifelsohne verbessern. Dennoch sahen sowohl Jaeckert als auch IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jan Glockauer noch Verbesserungsmöglichkeiten. Die Anbindung an die Mosel, die bessere Erreichbarkeit der Innenstadt auch durch den ÖPNV sowie die finanzielle und personelle Unterstützung lokaler Citymarketinginitiativen seien hierfür unabdingbar. Dies komme Bürger*innen wie Besucher*innen gleichermaßen zugute. „Für die Innenstadtentwicklung spielt der Tourismus eine essentielle Rolle: Durch ihn und dank ihm können Maßnahmen angestoßen werden, die der Stadtgemeinschaft als ganzer nutzen“, so Jaeckert. Kulturdezernent Markus Nöhl hob in diesem Zusammenhang das große Engagement der Trierer Kulturszene hervor, die damit ebenfalls einen wichtigen Wirtschaftsfaktor darstelle, aber auch touristische Reiseanlässe biete. Hier investiere die Stadt, sei es durch eine direkte Förderung oder durch die Bereitstellung von Räumen und Auftrittsmöglichkeiten.
Innenstadtdezernent Ralf Britten und Elke Dilzer vom Amt für Immobilien, Innenstadt, Handel, Bau- und Umweltordnung stellten Aktivitäten der Stadt zur perspektivischen Innenstadtentwicklung vor, die sich auch auf eigenen Untersuchungen zur Passantenfrequenz und Immobiliennutzung in der Innenstadt beziehen. Fazit: „Veränderungen brauchen Durchhaltevermögen und konsequentes Handeln“, so Dilzer. Daher arbeite man daran, monofunktionale Strukturen aufzubrechen und die Innenstadt durch Schaffung attraktiver Rahmenbedingungen als Wohn-, Arbeits-, Freizeit-, Versorgungs- und Bildungsort und als 24/7 Quartier für Alle zu etablieren.
Sauberkeit, Beschilderung, Alleenringaufwertung und Moselanbindung als Desiderate
Diese Bemühungen wurden von den Teilnehmer*innen der anschließenden Stationengespräche begrüßt. Allerdings wünschte man sich weitere Aktionen, die nicht nur durch die Stadt, sondern auch durch privatwirtschaftliches Engagement gestemmt werden könnten. Dabei klangen gewisse Themenfelder in den vier Stationen „Aufenthaltsqualität in der Innenstadt“, „Touristisches Entree, Beschilderung und Besucherlenkung“, „Anbindung und Gestaltung des Moselufers“ sowie „Stärkung des lokalen Handels“ immer wieder an: Eine sinnvolle Besucherlenkung, die attraktive Orte außerhalb der direkten Innenstadt in den Blick nehme, könnte der Entzerrung der Besucherströme dienen und damit nicht nur den Bereich zwischen Porta und Basilika entlasten, sondern auch die Vielfalt Triers stärker hervorheben. Die fehlende Sauberkeit wurde immer wieder angemahnt, sowohl bei der Beschilderung und den Toilettenanlagen, als auch im Bereich der Graffiti, der Vandalismusschäden und der nicht nur für die Wochenendbesucher viel zu späten Müllabholung in der Innenstadt.
Auch der dringend notwendigen Neuinszenierung des Alleenrings und der Römerbrücke widmeten sich zahlreiche Diskussionen. Die geplante Umgestaltung des Porta-Nigra-Vorplatzes berge große Chancen für eine weiterführende Diskussion zur Verkehrsumleitung in der Nordallee. Gastronomische Erlebnisse oder ein Mittelaltermarkt könnten den Alleenring oder das Kranenufer mehr ins Bewusstsein rücken. Eine Entsiegelung von Innenstadtflächen, eine stärkere Begrünung, das Aufstellen von Sitz-, Spiel- und Sportmöglichkeiten entsprach dem Wunsch vieler Diskutierenden. Und auch die indirekte Förderung des Einzelhandels durch neue Erlebniswerte in der Innenstadt wurde betont. Man wünschte sich eine Neustrukturierung der Parkgebühren, beispielsweise durch Rabatte nach getätigten Einkäufen oder einer kostenlosen ersten halben Stunde bei Besuch des Wochenmarkts. Park&Ride-Angebote müssten ausgebaut und verstetigt, Events und Handel mehr miteinander verknüpft werden, so wie beispielsweise bei der Elephant Parade 2013 oder dem Karl-Marx-Jahr 2018. Dabei appellierten die Teilnehmer*innen an das Verantwortungsbewusstsein von Immobilieneigentümern in der Innenstadt: In deren Engagement und aktivem Miteinander mit potentiellen Mietern lägen die Möglichkeiten, eine multifunktionale Innenstadt überhaupt realisieren zu können.
Der 4. Trierer Tourismustag als Kooperationsveranstaltung zwischen TTM und IHK wird am 4. November 2025 erneut für ein interessiertes Fachpublikum stattfinden. Das Thema wird noch bekannt gegeben.
Text: Trier Tourismus und Marketing GmbH, Sichelstr. 34-36 | D-54290 Trier
Foto: Stationengespräch, Johannes Bruchhof